16. Großer Gebetstag um die Seligsprechung der Dienerin Gottes Therese Neumann

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 „Unser Leben ist verletzlich und zerbrechlich“

„Auch Therese Neumann hat viel Lied erfahren müssen“
- 16. Großer Gebetstag in Konnersreuth
– Zu Gast war Bambergs Weihbischof Herwig Gössl

Konnersreuth. (jr) Höhepunkt des 16. Großen Resl-Gebetstag am Freitag war am Abend das feierliche Pontifikalamt in der Pfarrkirche mit Bambergs Weihbischof Herwig Gössl. In seiner Predigt sagte er, „wenn uns die vergangenen Wochen und Monate eines überdeutlich vor Augen geführt hat, dann wie verletzlich und zerbrechlich unser aller Leben ist und wie unmöglich es ist, das Leiden aus der Welt zu schaffen. Auch Therese Neumann hat in ihrem Leben viel Leid erfahren müssen“. Zum Festgottesdienst waren 65 Personen zugelassen, die sich zuvor anmelden mussten. Der Gottesdienst wurde per Lautsprecher ins Freie übertragen. Vor dem Gottesdienst ließ sich der Bamberger Weihbischof das Reslhaus zeigen und trug sich in das Goldene Buch der Marktgemeinde ein.

Zum mittlerweile 16. Großen Resl-Gebetstag war vieles anders, als all die Jahre zuvor. So fanden aufgrund der Pandemie-Auflagen gleich drei Gottesdienste verteilt statt.Am Vormittag zelebrierte Pfarrseelsorger Pater Benedikt, am Nachmittag Domvikar Monsignore Georg Schwager, zuständig für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse der Diözese Regensburg. Beide Gottesdienste waren sehr gutr besucht. Am Abend gab es keinen Kirchenzug mit der Konnersreuther Blaskapelle und den Vereinen, es ging alles schlichter und einfacher zu. Weihbischof Herwig Gössl, ein gebürtiger Münchner, der in Nürnberg aufgewachsen ist, erzählte, dass er zum ersten Mal in Konnersreuth sei. In Vorbereitung auf seinen Besuch habe er sich intensiv mit der Causa Therese Neumann und deren Leben beschäftigt. In der Pfarrkirche hieß Pfarrseelsorger Pater Benedikt den Weihbischof willkommen. Beide kennen sich aus gemeinsamen Tagen im fränkischen Marienwallfahrtsort Marienweiher, wo die Konnersreuther seit mehr als zwei Jahrhunderten ihre Fußwallfahrt durchführen. Pater Benedikt freute sich über die Zusage zum Besuch und betonte, „eine Eucharistiefeier ist die Quelle des Glaubens“. Musikalisch wurde das Pontifikalamt von einem Ensemble des Kirchenchor Konnersreuth/Mitterteich herausragend gestaltet, die Leitung hatte Matthias Schraml. Mit am Altar standen die Patres Johannes Schreml (Don Bosco München), Pater Friedhelm Czinczoll (Kloster Fockenfeld) und Urlaubsvertretung Pater John Jumatatu Mathias Massawe (Kloster Theresianum).

„Ich freue mich hier sein zu dürfen, es ist für mich ein großes Geschenk“, sagte Weihbischof Herwig Gössl, der seit März 2014 sein Amt ausübt. Seine Predigt stellte er unter das Thema „Wo ist denn nun dein Gott“ und nannte dies eine uralte Frage, die die Geschichte der Menschheit durchzieht. „Die Frage nach Gott, manchmal provozierend, manchmal suchend und tastend gestellt. Wo ist denn Gott, den wir nicht sehen, hören oder mit anderen Sinnen erfahren können. Wo ist denn Gott, gerade wenn ich ihn dringend brauche, in den vielen Leiderfahrungen, die mein Leben betreffen. Wo ist Gott, wenn ihn während der Pandemie überall auf der Welt Menschen um Hilfe anrufen und sterben dennoch so viele. Wo ist Gott in all dem Leid, in all den Schmerzen, in all dem Tod?“  Der Weihbischof sagte, „die Rede von Gott im Angesicht des Leids gehört wohl zum schwierigsten Thema, das es gibt. Durch nichts wird der Glaube eines Menschen so angefragt, so erschüttert, wie dies durch die Erfahrung mit schwerem Leid ist“. Weiter sagte Herwig Gössl, „andere, auch Theologen, konstruieren eine strikte Trennung zwischen Gott und der Welt, Gott, so heißt es, nehme keinen Einfluss auf die Naturgesetze. Daher seien ihrer Meinung nach auch Bittgebete, oder Gebetsstürme, zum Beispiel um Rettung aus der Pandemie und erst recht die Weihe an das Herz Jesu oder Mariens verfehlt. Wo ist Gott?“ Der Weihbischof gab in seiner Predigt die Antwort: „Gott ist absolut verfügbar und hält sich aus dem Klein-Klein unserer täglichen Sorgen und Leiden heraus. Hier sind wir selber gefordert,unser Leben, unser Zusammenleben zu gestalten“. Der Weihbischof machte deutlich, „der christliche Glaube gibt eine ganz andere Antwort, er sagt, Gott ist mitten drin, auf der Seite der Leidenden in ihren Ängsten und Schmerzen. Im Zentrum unseres christlichen Glaubens steht das Kreuz, an dem der Erlöser gelitten hat. Das Kreuz ist unser Erkennungszeichen. Es verkündet laut, Gott hat sich nicht aus unserem Leid herausgehalten. Er hat sich nicht vornehm zurückgezogen und uns unserem Schicksal überlassen, sondern er gibt sich mitten hinein in unser Leid“.

„Therese Neumann steht als Person ebenfalls für diese Konkretheit des Glaubens. Die Resl war eine einfache starke Frau, die zupacken konnte. Vor allem aber war sie stark im Glauben. Sie hat gleichsam am eigenen Leib erfahren, dass Gott dem Leidenden nahe ist, ja dass er in Jesus Christus ins Leiden hineingegangen ist. Diese Leidensmystik, die sie immer wieder durchleben musste, machte sie zu einer Zeugin des christlichen Glaubens. Therese Neumann wurde in all den Jahren und Jahrzehnten genährt durch die heilige Eucharistie, in der sie ganz konkret den Heiland erkannte und verehrte“. Was kann uns heute die Resl sagen: „Es ist richtig an der Gegenwart Gottes festzuhalten, ich darf mich auf die Sakramente und ihre Wirksamkeit verlassen und ich darf mich auf die Kirche verlassen. Und schließlich, das Leiden gehört auch zu unserem Leben. Ich sage dies in aller Vorsicht und Zurückhaltung, auch angesichts des derzeitigen vielfältigen Leidens der Menschen“. Abschließend betonte Herwig Gössl, „Therese Neumann hilft uns durch ihr Lebenszeugnis auf diesem Weg der Nachfolge zu bleiben und auch im Leiden Gott zu finden. Anstelle der folgenden Prozession zum Friedhof und des Abschlussgebetes am Theresienbrunnen, gab es einen kurzen Wortgottesdienst am Reslgrab, mit der Bitte um Seligsprechung.


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